El Gouna, eine Spontanentscheidung Ende 2018, kurz nach Weihnachten, getrieben aus Langeweile, da die erwarteten Familienfeiern ausblieben. Ich stehe vor der Rezeption des Fanadir Hotels El Gouna, direkt neben dem Kitespot gelegen. Es scheint alle geklappt zu haben, ich bin ohne Fails und Verspätungen angereist.

“Sorry, we do not have any reservation for you”, meint der Hotelmitarbeiter ohne Kompetenzen.
“I do have a valid voucher in my hand, can you please check and reserve it now?”.
“Sorry, we are fully booked, you have to call the agency.”
“I booked in the internet, I don’t even know which agency is behind…”
Nach etwas umständlicher Diskussion hat er sich dann meiner erbarmt und unsympathisch – zumindest klingt arabisch etwas unfreundlich – in der Gegend herumtelefoniert. Eine gute halbe Stunde später wurde ich deportiert in ein Hotel down the street, wie man mir am Telefon versicherte. Down the street ist notabene nicht in Gehdistanz, sondern 10 Autominuten entfernt und am anderen Ende der künstlichen Stadt. Grossspurig eröffnete mir, dass ich als Entschädigung “All-Inclusive” bekommen würde. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, in dieser Bruchbude hatte ich durchgängig Angst vor dem Essen.

Wenigstens wird mich der Wind und das Kitesurfen für die Unanehmlichkeiten entschädigen dachte ich mir.
Falsche Annahme, es hatte keinen Wind, war empfindlich kalt, überaus langweilig und als endlich Wind für einen Tag gekommen ist, hat sich meine Kitebar verabschiedet. Lauter selbsternannte Experten wollten mich in meiner misslichen Lage unterstützen, mit mässigen Erfolg. Schlussendliche habe ich den CEO von Cabrinha Ägypten persönlich kontaktiert und in einer Nacht- und Nebelaktion eine neue Kitebar gekauft. Schwarz, versteht sich, ziemlich günstig, original, aber für nichts. Kein Wind. So ziehen die Tage dahin: Aufstehen, Frühstücken, Packen, Voller Tatendrang für 70 Cent zum Kitespot fahren mit dem Tuk Tuk, auf Wind warten, Essen, wieder nach Hause fahren. Was mir bislang gar nicht aufgefallen ist war die Tatsache, dass meine Kitefreunde erst am 3. Januar anreisen werden, sprich bis Neujahr muss ich Ersatzfreunde finden oder zumindest solche, mit denen ich bereit bin anzustossen.

Neujahres Katastrophe – keine Freunde, keine Familie, die angeblich coole Sportsbar will 600 ägyptische Pfund Eintritt, kein Wunder ist der Laden leer. Ich sitze gegenüber um mir ein Bild zu machen, wer in den Laden geht und ob ich mit diesen Menschen mein Neujahr teilen will. Die Musik, die aus dem Laden kommt ist furchtbar. Wahrscheinlich wäre ich sogar im All-Inclusive Tempel besser aufgehoben, wenn auch angestarrt, wie ein Aussätziger, der eine ansteckende Krankheit hat, aber immerhin besser unterhalten. Soll ich bereits zu Jahresbeginn 33 Franken für einen Kack ausgeben, den ich bereits aus der Ferne als solchen entlarve? Familien mit Kindern gehn rein, neben mir eine Katze. Ich bin scheiss Allergiker, auf das habe ich nun wirklich nicht gewartet. Manchmal fallen die Würfel richtig, manchmal hast Du noch nicht einmal Würfel in der Tasche.
2 Touristinnen in Begleitung eines dicken Mannes gehen vorbei. Sie hat ein halbdurchsichtiges, mit goldenen Pailletten bestücktes Kleid an. Ihre Freundin ist auch unattraktiv gekleidet und trägt die gleichen Wackelohren zur zusätzlichen Ablenkung der Misere. Sie steuern wacklig – physiologisch bedingt – auf den Eingang der Jobos Sportsbar zu. Auch Ihnen scheint 600 Tacken für etwas Trash Musik zuviel zu sein. Ich jage die Katze weg. Noch 23 Minuten bis 2019. Happy new Year!