Alles klar… Dachte ich… Aber OK – es war definitiv ein Glaserl Wein zu viel gestern…

Scheisse nochmal, Morgen früh fliege ich nach Fuerteventura, schön mit Sonnenbrille, Surfgepäck und FlipFlops. Wie es sich eben gehört, morgens gut frühstücken, Strand und Sonne genießen, am Abend ausgezeichnete Fischspezialitäten schnabulieren und mit einem guten Buch ins Bett… ach herrlich… alles gaaaaanz entspannt, keine Eile, sondern einfach entspannt.

Verdammt, jetzt aber raus aus dem Bett sonst wirds eng am Flughafen – Zähneputzen – nebenbei Mercedes A Klasse beim Carsharing bestellen – Bargeld und Laptop in den Rucksack, Ladegeräte dazu und Raus bei der Tür.

Mit dem eigenen Auto zum Leihwagen zu fahren klingt etwas übertrieben, doch da ist schon das Surfgepäck mit dem Gewicht eines Jungkalbes drinnen und ich muss meine Kräfte schonen. Aiiiaiai – mit letzten Kräften das Riesengepäck in den Kofferraum. Türe zu, Zündung an und los gehts! Während ich mich darüber freue so schön mit Mercedes zum Flughafen zu brausen, kommt es mir gar nicht mehr so vor als würde ich auf Urlaub fliegen, überall Autos, Menschen gehen in die Arbeit, Kinder in die Schule und irgendwie muss ich schneller als alle anderen zu meinem Ziel! Ich habe ja auch Laptop im Rucksack und werde ein wenig arbeiten – ausserdem habe ich ein Flugzeug zu erwischen! Also aus dem Weg – hier komme ich!

Nach zahllosen Spurwechseln im Stop & Go Verkehr endlich aus der Stadt gewurschtelt, bin ich auf der Autobahn nicht mal der Einzige mit Bleifuss und Schaum vorm Mund – bisserl runter vom Gas gleich kommt die Abfahrt, zweimal rechts und rein ins Parkdeck. Aber hossa – alles voll, voll, voll, völlig voll, gibts ja nicht, an der Säule kann ich stehen, Kiste steht vlt ein klein wenig über, aber sollen sich Andere ärgern, ich muss einchecken. Superschweresurfausrüstungssammeltasche raus, Türe zu vom Stern und ab in den Lift. Sauschwer diese Tasche, da kommt mir der Rucksack gar nicht mehr so… Nein! Nochmal runter zum Stern, alles durch die Scheiben gecheckt – Laptop, FlipFlops und Bargeld sind wohl in Wien geblieben. Nicht schon wieder… egal / nicht egal – kann daran nix mehr ändern – „Ja! Die Magnesium Sticks!“ grantle ich die Apothekerin an, als ob sie nicht wüsste dass ich es eilig habe und mein Leben aka. Laptop vergessen habe. Nun mit der schweren Tasche ab zum Großgepäck, einmal quer durch den gesamten Flughafen durch Terminal 1 zu Terminal 3, wer nicht aufpasst dem walze ich meine übergroße Surftasche über die Zehen – hehehe! Ein breites Grinsen huscht mir übers Gesicht. Wo ist eigentlich Terminal 2?

„Mit dem Großgepäck alle nach Terminal 1, unser XRay ist defekt, Sie müssen drüben abgeben!“ lässt mich der nette Junge Mann wissen. Klassischer SlapStick Trick – Hin und Her Rennerei ohne Hilfe… „Aber Sie“ er deutet auf mich, „Sie müssen sich vorher noch ein Gepäckband holen – checken Sie einfach drüben bei den Schaltern ein!“ Jajajaja – die Schalter brechend voll, die Information – das XRay sei kaputt lässt eine adrette Angestellte völlig kalt, als ich versuche dieses Gepäckband an einem Computerterminal auszudrucken. Doch diese scheinbar Heilige läuft mit mir zurück, vorbei an allen Wartenden, fährt ihren Computer hoch – ich wusste ich bekomme meine Sonderbehandlung – und ich lege ihr das Gepäckstück auf die Waage. Während ich mich noch wie ein First Class Passagier mit allen Rechten fühle, raunt mich diese Retterin von der Seite an: “Das ist zu viel das können wir nicht nehmen!“ Aus der Traum, kein Heiligenschein, keine Engelsflügel und kein Goldstaub umgibt mehr diese Frau, beschämt und doch hochmütig bekräftige ich: „Aber ich habe doch Zusatzgepäck angemeldet“, weiters versuche ich so unbeholfen wie möglich: „ich weiß nicht was heisst zu schwer?“ „Nein, das ist zu viel, das nehmen wir nicht“ ich nahm ein eiskaltes Blitzen in den Augen der Angestellten wahr und entgegnete schwitzend, ein klein wenig genervt und doch höflich: „Also ich habe zwei Gepäckstücke frei, eines davon habe ich extra bezahlt – wo ist das Problem?“ Die Angestellte bleibt hart „Zeigen Sie mir Ihre Bestätigung“ Am Iphone zeige ich ihr die Email und bemerkte nicht wie ich ihr mit 3 Tagen Anlauf direkt ins offene Messer lief, diese Dame ist auf alles vorbereitet „Da steht es: maximal 32kg!“ Ich wische mir den Schaum vom Mund und versuche meine stahlgrauen, zugeschwollenen, blutunterlaufenen Augen in unschuldige, vertrauenswürdige Rehäuglein zu verwandeln und lieb an ihr Herz zu appellieren. Ich will es unbedingt noch einmal versuchen und entgegne ihr nochmals: „Ja aber wenn es zwei Koffer wären, wäre es kein Problem oder? Nun ist es halt einer – geht das?“

Der Versuch missglückt kläglich: „Ja schon, aber maximal 32kg, ihres wiegt 48kg, Sie können gerne mit meinem Supervisor sprechen…“

„Nein, nein, nein – ich nehme was raus“

Ich habe mich seit dem aufstehen vielleicht wie ein Vollidiot benommen, aber muss man mich deswegen auch wie einen behandeln!?? Irgendjemand muss für meine Unzulänglichkeiten büssen – scheiss aufs Karma es ist ohnehin Montag!

Zwei Kleidersäcke, Zwei Neoprenanzüge, Zwei Bars (Seile und Lenkung für Flugdrachen) später stimmt das Gewicht und ich bekomme dieses vermaledeite Gepäckband – Juhu!!! Ich packe alles wieder in die Tasche und vernehme erneut die Stimme meines Folterknechts in roter Uniform: „Sie packen das drüben aber wieder aus!?“ Ungestüm packe ich weiter ein „Drüben an Terminal 1 wird bestimmt nochmal gewogen, Sie packen das dann bitte wieder aus!??“ fragt sie erneut.

Langsam mache ich den Zipp der Tasche zu – nehme den Reisepass und meine Boardkarte an mich – betrachte das Gepäckband mit dem Strichcode, dem knallrosa Aufkleber mit der Aufschrift „heavy“, gehe nochmal in mich und sehe ihr dann mit einem Lidaufschlag welchen Clint Eastwood nicht besser hinbekommen hätte in ihre braunen, fragenden, ja fast hilflosen Augen – sie wusste sie war geschlagen – und ich sagte langsam, ruhig und leise: „Sicher.“ Ich lies sie hinter mir, schnurstracks auf dem Weg zur Großgepäckabgabe in Terminal 1 – Ein wohlig warmes Grinsen, Flammen aus meinen Nüstern, tiefschwarzer Nebel in meinen Augen – Muuuuhahahhahaaaa!!!! Ich habe gesiegt – kniet nieder vor mir – nein, besser aus dem Weg ich muss da durch, mein Flieger geht gleich…. ; )