Der meistgesagte Satz dieser Tage ist wohl: “Es isch soo heiss / Läck isch das heiss!!”.

Die Schweiz ist im Ausnahmezustand. Seit 2003 war der Sommer nicht mehr so lang und so schön. Über 70% der schweizer Bevölkerung arbeitet im Dienstleistungssektor, viele gesegnet mit Klimaanlage, einige nur mit Ventilatoren, den meisten gehts gut. Und trotzdem wird gemotzt. Die Nächte sind zu heiss, der Partner/die Partnerin zu klebrig, die Decke zu dick, der Weg von der Wohnungstür zum klimatisierten Auto eine Qual. Vergessen gehen die lauen Sommerabende, wo man draussen halbnackt rumsitzen kann und die Feste endlich fallen können, wie sie wollen, denn das Wetter spielt mit. Vergessen gehen die schönen Tage am See/Fluss, auf dem Boot mit dem Bier in der Hand. Vergessen gehen die Berge, die in 1-2h von jedem Punkt der Schweiz erreicht werden können und wo die Temperaturen immer erträglich sind. Neben allen sonstigen, lächerlichen First-World-Problems in einem der reichsten Länder der Welt, überschlagen sich die Newsportale mit bristanten News und Statistiken über die unerhörte Wettersituation. Irgendwelche Hundstage – nach irgendeinem bekloppten Sternbild benannt – plagen die Schweiz und das Thema Wasserknappheit bekommt Popularität. Meine Nachbarin, die Ruth und ihre pensionierten Freundinnnen beginnen wie im zweiten Weltkrieg zu sparen. Nicht gezielt, nicht rigoros, mehr verbal. Die Bauern riechen trotz Feuerverbot die rumliegende Lunte und verlangen für beliebiges Gemüse mehr Geld. Ein Massnahmepaket muss her, sprich Bonus für Naturunwidrigkeiten. Der Gärtner von der Lenzerheide hörts in seinem orangen Bewässerungsfahrzeug, dreht das Radio ab und giesst weiter seine Hektoliter in die Pflanzentöpfe an der Bushaltestelle Blüemlisalp. Wer weiss, wann sich da ein Wanderer verirrt und ist nicht jede Haltestelle ein Halteort für potentielle Investoren? Auf Aare, Reuss und Limmat konstatieren die Plastikbootliebhaber, dass tatsächlich wenig Wasser fliesst und giessen die Differenz in Form von Bier hinterher. Doch Vorsicht mit dem glühenden Zigarettenstummel, wer will schon, das Mani Matters Geschichte wahr wird. Die Schweiz ächzt und stöhnt, die Alten sind mit ihrem Gejammer nicht mehr alleine, allen gehts dreckig. Statistik hin oder her, die Nächte sind tropisch, Körperkontakt gequält und die Verbote erdrückend. Die schweizer Landkarte verwandelt sich schwarz, überall ist unter Androhung monströser Bussen – der Schweizer hängt eben am Geld – alles verboten. Kein Feuer drinnen, draussen, nicht im Wald, kein Feuerwerk, keine Feuerspiele, keine Wachsspiele zuhause und bitte, die Glut aus dem Holzkohlegrill könnte wegwehen und die Schweiz entzünden. Dass aber die heisse Luft unserer Politiker sich ebenso entzünden könnte, daran denkt niemand. Ich warte schon, bis die SVP Versucht aus der Hitze ein politisches Thema zu machen.
Schaut man genau hin, dann erkennt man: die Schweizer Wohlfühltemperatur existiert gar nicht. Es müssten angenehme 20-25 Grad sein, ohne Wolken, Abends nach dem Fest gerade so viel Regen, dass man den Garten nicht bewässern muss. Aber bitte der Regen gerade, ohne Winkel, sonst kann das Fenster zum schlafen nicht offen bleiben. Gerne ohne Gewitter und ohne Hagel. Abends sollten die Temperaturen konstant bis mindestens Mitternacht angenehm bleiben, am Wochenende etwas länger. Die Sonne sollte scheinen, aber nicht verbrennen. Wind bitte nur dann, wenn man nicht draussen am Essen ist. Und bloss keine Wespen, Fliegen oder Mücken – wer hält denn das aus. Gut gibts da den Blick-Trick, der einem aus dieser misslichen Lage hilft – vorgetragen von gescheiterten Journalisten, für die es einfach nicht für mehr gereicht hat. Wobei: mit etwas Plastik wird auch aus einer Wetterfee ein Cervelat-Promi.

Hitzige Grüsse
Rotsch